The EU Journalism Fellowship blog

In Deutschland zieht sich ein Riss durch die Atomlandschaft.

Angela Merkel hat sieben Kraftwerken vorläufig den Stecker gezogen. Kein Wort mehr zu hören über eine mögliche Energielücke. Noch im Herbst letzten Jahres hat die Regierung Merkel den Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen und die Lebensdauer der 17 deutschen Meiler verlängert – und dies vertraglich abgesichert.

Auch Energiekommissar Günter Oettinger hat gestern eine 180 Grad Wendung hingelegt. Als Ministerpräsident war er Befürworter von Atomkraft, auch in Brüssel hat er bei Europas Energieversorgung stets auf Atomkraft gesetzt.

Nun heißt es aus seinem Mund, dass das AKW-Unglück in Japan die Frage aufwerfe, ob “wir in Europa in absehbarer Zeit ohne Kernkraft unseren Strombedarf sichern” können.

Zu einer Eilsitzung hat er gestern in Brüssel Europas wichtigste Atomkraftwerksbetreiber und hohe Beamte der nationalen Sicherheitsbehörden eingeladen. Nun will Oettinger die Sicherheit aller AKWs durch europaweite Stresstests prüfen und notfalls abschalten – weitere Maßnahmen schließt er nicht aus.

Könnte diese Haltung zusammen mit den Ereignissen in Deutschland einen Dominoeffekt auf andere EU-Mitgliedsstaaten haben?

Auf der anderen Seite des Rheins, in Frankreich, stellt sich Sarkozy bis jetzt tapfer vor die französische Atomenergiewirtschaft. Das Land bezieht momentan 80% seines Strombedarfs aus Atomkraft. Französische Firmen investierten stark in Meiler in England und Indien. Eine Atomdebatte ist noch nicht in Sicht, für Frankreich komme „ein Umdenken nicht in Frage“, so Sarkozy. Er brüstet sich mit der Sicherheit der französischen Meiler, welche durch eine doppelte Schutzhülle „zehn Mal sicherer seien“ als andere Kraftwerke. Auch frühere zahlreiche Zwischenfälle in eigenen Atomkraftwerken sowie Proteste über die Wideraufbereitungsanlage in La Hague haben zu keiner offiziellen Debatte geführt. Abzuwarten bleibt, wie die französische Bevölkerung und die Regierung auf die weiteren Ereignisse reagieren werden.

 

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